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Herzlich Willkommen! In unserem Blog berichten Freiwilligendienstleistende, Kolleg*innen und Eltern über ihre Erfahrungen.

Julius geht weltwärts. 1 Jahr in ein Land, das er nicht kennt. Seine Mutter, Constanze, hat ihn in seiner Entscheidung stets unterstützt und ihn sogar in Namibia besucht. Wie sie weltwärts erlebt, erzählt sie im Interview:

Liebe Constanze, dein Sohn ist nun seit ein paar Monaten „weltwärts“ in Namibia. Wie fühlst du dich?

Erst mal freue ich mich sehr für Julius. Auf der Entsendefeier in Münster habe ich einen Eindruck von den anderen Freiwilligen erhalten und ihre neugierige Freude war so deutlich zu spüren. Diese Aufbruchstimmung beim „Wir gehen weltwärts“ zur Melodie von „We will rock you“ hat die Stimmung wunderbar auf den Punkt gebracht. Ca. einmal pro Woche skype ich mit Julius und er berichtet mit sehr viel Freude von seinen Erlebnissen. Die Einführungswoche in Windhouk hat ihn schon mal sehr positiv gestimmt und seine ersten Wochen im Projekt C.H.A.I.N (Children with handicaps action in Namibia) haben ihn bestärkt, dass er dort sinnvoll unterstützen kann. Seine Schützlinge sind ihm schnell ans Herz gewachsen.

Wie war es für dich, als du erfahren hast, dass dein Sohn ein Jahr lang im Ausland leben möchte?

Ich habe Julius immer motiviert, diesen Schritt zu gehen. Ich war vor über 30 Jahren selbst ein dreiviertel Jahr im Ausland. Damals war das ziemlich exotisch und die Kontakte nach Hause beschränkten sich auf Anrufe alle 2 Monate und Luftpostbriefe. Da ich diese wichtige Erfahrung selbst gemacht habe, war ich da von Anfang an offen und motivierend. Auch innerhalb der Familie wurde das von allen positiv aufgefasst. Julius jüngster Bruder hat dann schon mal gesagt, dass Julius ihm sicher fehlen wird. Da haben wir als Familie auch schon vor Julius Reise beschlossen, dass wir ihn auf jeden Fall besuchen. In unserem Freundeskreis waren schon 2 Mädchen mit weltwärts ein Jahr in Chile. Die beiden haben sich während dieser Zeit in vielerlei Hinsicht so positiv weiter entwickelt, dass ich da ein großes Vertrauen hatte. Außerdem ist das die einmalige Chance wirklich in einem Land anzukommen, wenn man dort ein Jahr lang lebt und arbeitet.

Die Vorbereitungen für das weltwärts-Jahr laufen über mehrere Monate. Wie konntest du deinen Sohn unterstützen?

Wir haben immer sehr viel darüber geredet. Vor dem Auswahlseminar war Julius noch etwas verhalten, ob er das überhaupt will. Aber nach dem Seminar stand für ihn ganz fest, dass er das will. Als dann die Zusage kam, war der Jubel groß. Die Vorbereitungen inklusive der ganzen Formalitäten, Untersuchungen, Impfungen waren schon ein großer Aufwand. Da haben wir Julius auch sehr unterstützt, zudem die Termine mit den Abiturprüfungen zusammen fielen. Unterstützt haben wir ihn ganz pragmatisch z.B. mit Fahrkarten buchen . Wichtig war aber vor allem der inhaltliche Austausch.

Da ist es glaube ich entscheidend, dass man als Familie mit seinem Kind im engen Dialog ist und sich dafür interessiert. Interessant fand ich, dass ich in Gesprächen mit anderen Eltern in meinem Umfeld oft die Frage gestellt bekommen habe, ob ich Angst hätte. Das hatte ich nie, ich war neugierig, was sein wird, aber ich war mir sicher, dass die Entsendeorganisation die jungen Menschen bestmöglich auf ihren interkulturellen Austausch vorbereitet und die entsprechenden Rahmenbedingungen schafft.

 

„Die Einführungswoche in Windhouk hat ihn schon mal sehr positiv gestimmt und seine ersten Wochen im Projekt haben ihn bestärkt, dass er dort sinnvoll unterstützen kann. Seine Schützlinge sind ihm schnell ans Herz gewachsen.“

Welchen Tipp würdest du anderen Eltern geben? Würdest du ein weltwärts-Jahr empfehlen?

Bringt Euch ein! Interessiert Euch dafür, warum euer Kind dafür brennt! Seid neugierig und habt teil! Die Entsendefeier habe ich da ganz intensiv erlebt. Auch hatte ich die anderen Freiwilligen kennen gelernt, die nach Namibia gingen und mich mit Julius Partnerin austauschen können. So hat man zumindest ein Bild davon, mit welchen Menschen das eigene Kind das nächste Jahr verbringen wird. Wir haben Julius als Familie dann Weihnachten besucht. Das war ein phantastisches Erlebnis. Es war sehr beeindruckend das Land zu bereisen und in vielen Situationen zu erleben, wie sehr Julius dort schon angekommen war. „Street proofed“ souverän und voller Freude für seine Aufgabe bei C.H.A.I.N. Für mich war es sehr schön einen Teil dieser Welt kennen zu lernen und zu teilen. Ich weiß nun wie er wohnt, kenne einen Teil seiner Freunde und die Plätze wo er sich aufhält. Wenn wir sprechen bin ich so viel näher dran.

Interessant ist auch, dass sich die innerfamiliären Rollen verändern. Der Älteste ist weg dadurch rückt der Zweitältesten in eine andere Rolle. Ich sehe das Alles als Bereicherung, mein Kind entwickelt sich sehr weiter und wir als Familie auch.

Unser Bildungsseminar in Vogelsang

Seit 2012 fahren wir nun schon mit Bundesfreiwilligendienstleistenden nach Vogelsang.
In diesem Blog berichten wir, was euch in diesem Seminar erwartet und wie wir die Woche gemeinsam dort verbracht haben.

Bildungsreferent Marco Wagner
von Marco Wagner​

Nachdem wir in der Eifel angekommen waren, gab es erst einmal eine kleine Runde zum kennen lernen und eine Übersicht über die bevorstehenden Aktivitäten. Damit alles gut und friedlich verläuft, erklärte Thomas Moll von der Rotkreuz-Akademie in Vogelsang ein paar Regeln zu der Übernachtung im Haus und wie man sich als Gast im Naturpark Eifel verhält.

 

Nach dem Mittagessen begaben wir uns dann in die Rotkreuz-Akademie Vogelsang, wo die Teilnehmenden einen spannenden Vortrag über das DRK lauschten. Anschließend ging es dann zu unserem Besuch ins Rot-Kreuz Museum in Vogelsang. Thomas Moll erklärt den Freiwilligen die Bedienung und den Umgang mit der Feldküche FKH. 

Mit diesen Feldküchen wurden auch die Deutschen in der Prager Botschaft vor etwa 30 Jahren durch das DRK in Euskirchen versorgt. Dieser Teil der deutschen Geschichte ist Teil der Sonderausstellung „Umweg Prag 1989“.

Nach diesem spannenden Programmpunkt wurde gemeinsam Brennholz geholt, um sich auf einen gemütlichen Abend im Warmen vorzubereiten. Nachdem Abendessen ließ die Gruppe den Abend gemeinsam ausklingen.

„In Vogelsang hatten wir eine spannende, lehrreiche und sehr lustige Woche“

Mit einem selbst gestalteten Frühstück inklusive frischer Brötchen
vom ortsansässigen Bäcker ging es dann am nächsten Tag mit einem besonderen Referenten weiter. Jean-Marie Malaise war zur der Zeit, als die Belgier das Gelände Vogelsang als Kaserne nutzten, als Kommandant für diese Liegenschaft zuständig. Mit einer interessanten und spannenden Führung zeigte er den Freiwilligen die Nutzung des Geländes, den Bau in der NS-Zeit und die Wandlung und Nutzung der Burg Vogelsang durch die Belgier und die Weiterführung als Gedenkstätte durch die Bundesrepublik Deutschland. Am Nachmittag ging es dann ins Rotkreuz-Fluchthaus, wo sich die Gruppe spielerisch mit den Themen Flucht und Vertreibung auseinander setzte. Das Fluchthaus wurde übrigens mit
Teilnehmenden aus dem 
Internationalen Peace-Camps 2016 und 2017 geschaffen, welches einmal im Jahr
dort stattfindet und zu dem 
junge Menschen aus der ganzen Welt zusammen kommen.

 

Am nächsten Tag  ging es unter anderem zum „Wilden Weg“. Der „Wilde
Kemeter“ ist ein Naturlehrpfad, der zeigt, wie aus dem früheren Nutzwald zukünftig ein Naturschutzgebiet entsteht. Besonders spaßig waren die
kleinen Kletterübungen.

Am vorletzten Tag standen zur Auflockerung einige „Teambuilding“-Übungen auf dem Programm. Da gab es zum Beispiele  eine Teamwippe, bei der alle gemeinsam das Gleichgewicht halten müssen. Nachmittags hatten wir dann richtig Glück mit dem Wetter und so wanderten wir durch die sonnige Eifellandschaft zum „Geisterdorf“ Wollseifen. Die Bewohner mussten nach Ende des zweiten Weltkrieges ihr Dorf verlassen, da die Engländer und später die Belgier das Dorf zu militärischen Zwecken nutzten. Seitdem steht dieses Dorf leer. 

Und so ging eine schöne Woche schnell vorüber. Bevor es nach Hause ging, mussten wir aber erst einmal wieder aufräumen, die Koffer packen und die Zimmer besenrein hinterlassen. Danach haben die Frauen sich zusammengesetzt und den „Minne-Preis“ an den Mann vergeben, der sich in der Woche am höflichsten und „ritterlichsten“ gegenüber der Damenwelt verhalten hat. 

Bei der Reflexionsrunde waren sich jedoch alle einig – die Woche in Vogelsang war lehrreich, spannend und sehr lustig!